Wenn das Herz denken könnte, würde es still stehen

                                                                      Fernando Pessoa

 

 

mit herz und hirn

 

tränen                                                            

große, weiche                                                 

in allen farben                                               

verlassen meine geschundene seele              

frei                                                                 

wann wenn nicht jetzt

entrinn ich  meiner

großen schwarzen

hölle

 

 

 

mit hirn und herz

 

lippen 

springen lautlos öffnend sich

blutrot und lebendig

ich sprudle

ehrlich 

sprich

so sprich

scharf  und blau

geschnitten durch sofort getrennt

zertrümmernd

      

 

 

 

Sprühe

deine Liebe

über alle Lebewesen

der Tod nimmt dir

das Liebste

 

 

 

 

 

 

Das Herz des Künstlers ist sein Kopf

                                                                 Oskar Wilde

 

 

 

Hommage ans Brathuhn

 

Oh Huhn, oh Huhn, oh du mein Mittagessen,

hast mir zur Freud dein Leben ja gelassen.

Wie weiß dein Fleisch in all den weißen Tassen,

blutlos als hätt’st kein Leben je besessen.

 

Dir dank ich schreibend nun auf diesem Wege,

zur ersten Übung der Sonettenform

schwer atmend ich erfülle Norm für Norm

mein Bauch betreibt Hendel-Verdauungspflege.

 

Gut hast geschmeckt und mich so inspiriert,

dein totes Fleisch, es stärkt mein schreibend Tun,

dein Tod hat dich letztendlich kultiviert.

 

Sonett geworden bist du jetzt mein Huhn,

du gackerst durch die Verse ungeniert,

doch jetzt ist Schluss, wir beide können ruhn.   

 

 

 

Mit dem Herzen gerochen

 

He, du, du bist dran, lass endlich mal dein Herz laut singen:

Es duftet kühl und frisch und rein und auch nach erdig Dingen.

Nach krabbelnd Tier und Vogelsang, die um ihr Leben ringen.

Nach unbewusst verbund’nem Sein in göttlichem Umschlingen.

Nach Moder, Holz und Baumodeur, nach blauem Dung im Innern.

Nach Profijägern, Fressgelagen und kleinen Jagdbeginnern.

Doch manchmal stechend scharf und stark, mich penetrant durchdringend

Und nur ein wenig später mild und fast in Ruhe schwingend. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt keinen Weg, es sei denn, du gehst ihn

 

 

Komm, schöner, weißer Vogel,

                                                    du musst heut weiterziehen.

Lass ab von allem, was dir lieb ist und dein Ich umsponnen hat,

du musst dich von allem trennen,

                                                     du musst endlich weiterziehen.

Sieh das  Paar, da unten tanzen, sich liebevoll im Rhythmus wiegen,

halt ja nicht an, um mitzutanzen,

                                                     du musst wieder weiterziehen.

Empor ,empor, in neue Welten, ungeahnt, in Stille weit,

Freude wird dich stets begleiten, bis in die Unendlichkeit.

Sieh das Land da unten liegen, ein Wasserfall, den Wald, der ruft,

sieh Sonnenlicht durch Nebel ziehen und atme ein all diesen Duft.

Doch bleib nicht dort, lass dich nicht fangen,

                                                      du musst wieder weiterziehen.

Das kleine Leben kannst du nicht lieben, zu eng ist alles konstruiert,

du hast kein Ziel und kein „Ich kenne“, hängst nicht an denen, die dich lieben,

In jedem Anfang ist ein Ende,

heb deine Schwingen nun behände,

                                                      du musst wieder weiterziehen. 

 

 

 

 

 

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